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TurboFever 2010

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Retro Classic Stuttgart 2008 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Jens   
Freitag, den 09. Oktober 2009 um 16:18 Uhr

Wir tun was wir sind. Oder: Von welchen, die auszogen um einen Messestand zu machen.

 

Im C.A.R. weiß-blau gibt es Leute, die immer sehr rege im Kopf sind und immer wieder aufs Neue danach streben, in der und für die Szene Akzente zu setzen. Erst jüngst geschehen in der kleinen Baden-Württemberger Fraktion des Clubs. Dirk kam irgendwann im Herbst letzten Jahres an und meinte lapidar ‚wir könnten einen Renault 5 Turbo-Stand auf der RETRO CLASSIC in Stuttgart machen‘. Dumm, dass laut gedachte Dinge dieser Art bei Michael und mir immer auf fruchtbaren Boden fallen. Und dumm auch, dass der Gedanke nicht an den Haaren herbei gezogen war, zumal jeder von uns über eine gewisse Messe-Erfahrung verfügt und wir von einander wissen, solche Themen tatsächlich bewältigen zu können. Und dumm auch, dass wir drei uns dahingehend ähneln, den Anspruch an uns selbst meist höher zu definieren, als wir zu leisten vermögen.

 

Und so kam es – die Anmeldung bei der Messe Stuttgart mit Angabe der gewünschten Standgröße haben wir anhand eines grob zugeschnittenen Modells aus Karton ausgefüllt. 4 Autos sollten es sein, möglichst ein Eckstand, Grösse 100 m². Und natürlich der Synergien wegen neben dem MV Agusta-Stand, dessen Organisation schon mehrere Jahre von Dirks Eltern bewältigt wird.

Das Kartonmodell natürlich lässt nur einen groben Eindruck des Standes zu, Farben, Formen und Haptik muss sich der Betrachter vorstellen. Ausserdem ist es nicht vorzeigefähig – was ein Modell nach unserem Anspruch hergeben muss... Konsequenz: ein realistisches Modell, das Farben, Formen und Haptik nicht der Vorstellung des Betrachters überlässt. Das Konzept des Standes war fixiert: wir werden die französischen Farben als Vorhänge im Hintergrund aufnehmen, die Farben der Fahrzeuge spiegeln die Farben in umgekehrter Reihenfolge wider. Als eyecatcher steht vorne ein gelbes Rallyeauto, das sich im gelb der Renault-Fahne im hinteren Eck des Standes wiederfindet. Zwei Schauwände informieren über den Renault 5 Turbo und die Clubszene, im hinteren Bereich des Standes ist Platz für Theke und Bistrotische – schliesslich wollen wir nicht nur die Fahrzeuge präsentieren, sondern auch neue und bestehende Kontakte pflegen und der Clubszene auf der Messe einen Anlaufpunkt bieten. Und der Anspruch geht weiter: es wird nicht irgendein Teppich sein, es wird der Teppich sein, der 2008 beim Grossen Preis von Deutschland in Hockenheim in der McLaren-Box gelegen hat (man entschuldige bitte - der Teppich der Renault-Box war einfach nicht aufzutreiben...), es werden an Drahtseilen gespannte Vorhänge sein, es werden professionelle und beleuchtete Schautafeln sein, es werden Glastische und Freischwinger-Stühle sein und die Theke wird eine massive Buchenarbeitsplatte haben. Und, klar, das Standpersonal wird einheitlich angezogen sein und Namensschilder tragen. Apropos Standpersonal: um nicht von den Fahrzeugen abzulenken haben wir uns für männliches Standpersonal entschieden, Konzeption bis ins Detail eben.

Das Konzept stand, mit Jens, Martin, Jürgen, Michael², Dirk und mir war das Messeteam definiert, die Kosten für den Stand waren grob fixiert. In unseren Köpfen war die Messe gar schon vorüber. Was halt noch fehlte war die Umsetzung. Und hierbei gab es einige Hürden zu bezwingen... niemand hatte bedacht, dass sich die Aufkleber nicht ohne Zerstörung der Kunststofftafeln von den Schauwänden lösen lassen. Niemand hatte bedacht, dass Fotos dem Urheberrecht unterliegen. Niemand hatte bedacht, dass das ausgewählte Trussing-System zwar vielerseits verfügbar ist, aber ziemliche Kosten aufwirft. Niemand hatte bedacht, dass an drei 6*2,8 m grossen Vorhänge ganz schön lange Kanten umgenäht werden müssen. Niemand hatte bedacht, dass die Messe schwer entflammbare Textilien vorschreibt. Und niemand hatte bedacht, dass der auszuschenkende Kaffee zuerst gemacht werden muss. Um nur einige der Hürden zu nennen...

Aber wie auch immer, die Messe vom 12. bis 15. März rückte näher. 120 m² wurden uns von der Messe definitiv zugesagt, wie gewünscht neben dem MV Agusta-Stand.  Tatsächlich wurden wir in Halle 4 untergebracht, die zu 70% aus Ständen italienischer Fahrzeuge bestand. Zur einen Seite würden sich die Fiat 500-Freunde präsentieren, schräg übers Eck würden Alfa- und Zagato-Fahrzeuge gezeigt. Und gegenüber wird ein riesiger Ferrari-Stand aufgebaut sein, der an einen Abarth-Stand angrenzt. Wir sind mit unserer frankophilen Leidenschaft in dieser Halle definitiv die Exoten. Heraus machen wir eine Tugend: das erklärte Ziel ist nun, dem Ferrari-Stand die Schau zu stehlen. Wir haben gute Karten, schliesslich haben wir ein Standmodell.

 

Und der Aufbau beginnt. Teppich legen, Trussing-System aufbauen, Vorhänge aufhängen. Theke und Gastrobereich aufbauen, Signalisierung montieren und Schautafeln stellen. Fahrzeuge platzieren. Und im Hinterkopf ist immer unser Modell – genau so wird der Stand werden. Überall um uns wird gewerkelt und aufgebaut, die ersten Biere getrunken und beim Nachbarn vorbeigeschaut. Die Stände um uns herum bauen nicht allzu hoch, was uns zugute kommt – dank unserem hoch stehenden Renault-Schild werden wir auch vom weitem zu lokalisieren sein.

Und tatsächlich – unser Stand wirkt so, wie wir es uns anhand des Modells erarbeitet haben. Von jedem Standort ist der Renault 5 Turbo von allen Seiten zu sehen, die französischen Farben wirken im Hintergrund, ohne zu dominieren, das Sonnensegel grenzt nach oben ab und macht aus dem Gastrobereich eine Ecke zum verweilen. Die Turbos werden durch die Strahler in Szene gesetzt und heben sich deutlich vom dunklen Teppich ab. Der Stand wirkt nach vorne offen und lädt die Besucher ein, in den Stand hineinzugehen. Der Gastrobereich ist durch die beiden Schautafeln und das diagonal stehende mittlere Auto etwas abgegrenzt. Die Theke ist bestückt, das Standpersonal trifft ein. Wir sind bereit.

 

Am Donnerstag, 12. März um 14:00 Uhr beginnt die Messe mit dem ‚Preview-Day‘. Das Publikum besteht nur aus Fachpersonal, Presse und geladenen Gästen. Entsprechend ruhig ist es, Kontakte belaufen sich auf Firmen, die sich auf handwerkliche Arbeiten rund um die Restauration und Optimierung spezialisiert haben.

Freitag, 13. März 9:00 Uhr. Die Messe öffnet für das breite Publikum. 9:05 Uhr. Unser Stand ist voll mit Besuchern! Der Besucherstrom reisst nicht ab bis zum Ende des Tages, wir sind überrascht vom ersten Tag der Messe und der Frequenz unseres Standes.

Samstag, 14. März. Gleiche Situation, fünf Minuten nach Eröffnung der Kassen ist unser Stand voll mit Menschen. Muss wohl daran liegen, dass die Halle 4 vom Eingang Ost aus gesehen die erste Halle des linken Flügels ist. Das Publikum ist ein anderes als am Vortag, viele langjährige Bekanntschaften kommen auf einen Kaffee vorbei, und viele neue Kontakte ergeben sich. Für uns ist überraschend, wie der Renault 5 Turbo schon bei seinem Erscheinen Anfang der 1980er Jahre Leute begeistert hat und noch immer begeistert. Und überraschend ist auch, wie viele Renault 5 Turbos es im Süddeutschen Raum gibt. Der Tag verläuft ähnlich dem Freitag, nur kamen noch mehr Besucher auf unseren Stand und es waren noch mehr Gespräche, die wir führten. Dem Ferrari-Stand haben wir letztlich in dem Moment die Aufmerksamkeit gestohlen, als die beiden Jungs eines Werkzeugstandes ankamen und an Dirks Auto mit Maschinenkraft das Dach polierten. Menschentrauben waren auf dem Stand, den Ferraris hinter den Absperrungen wurde nur wenig Beachtung geschenkt...

Sonntag, 15. März. Letzter Tag, gleiches Spiel – der Eröffnungsgong ertönt und unser Stand ist voll. Und wir begrüssen noch mehr Freunde und Bekannte und lernen noch mehr Leute kennen. Den trockenen Mund, den knurrenden Magen und die im Flug vergehende Zeit sind wir von den Vortagen schon gewohnt... 18:00 Uhr, der Messegong ertönt erneut und eine freundliche Damenstimme weist auf die soeben beendete RETRO CLASSICS 2009 hin. Wie? Ist jetzt tatsächlich Schluss? War das tatsächlich die Messe, ist sie tatsächlich vorbei? War das alles?

Sie ist es. 10 Minuten später fangen die Nachbarn um uns herum an, ihre Stände abzubauen. Also beginnen auch wir, die Autos zusammenzuschieben, den Gastrobereich abzubauen, die Vorhänge abzuhängen und alles zusammen zu packen und zu verstauen. Um 23:30 Uhr ist das letzte Fahrzeug verladen und wir machen uns auf den Heimweg.

Tagelange Vorbereitung. 2 ½ Tage Aufbau. 3 ½ Tage Messe. 5 ½ Stunden Abbau. Die Dauer der Nachbereitung können wir zu diesem Zeitpunkt nicht absehen. Was bleibt ist die Illusion einer Messe, einer Halle voll schöner und durchdachter Stände, einer Welt voll Eindrücke vergangener Tage. Alles ist Illusion.

 

Und die Philosophie unseres Messeauftritts? Es gibt keine – nur soviel: wir tun was wir sind. Ein nicht kommerzieller Messeauftritt bedeutet Enthusiasmus. Die Erwartung an einen Messeauftritt ist so hoch wie die Intension, die mit der Repräsentation verfolgt wird. In unserem Fall war es die Absicht, Alpine- und Renault-begeisterte Menschen anzusprechen, die bislang keinen Kontakt mit der etablierten Szene hatten. Wir sind überzeugt, hier gute Arbeit geleistet zu haben. ...und tatsächlich ist ein Messeauftritt immer die Feier seiner selbst.

 

Dank an alle, die uns den Messeauftritt ermöglichten: Rösing Rallye-Team für den Transportanhänger, Bizerba für die Tische und Stühle, Rametti-Caffé für den besten Kaffee der Messe und überhaupt, DTS Soundcheck für das Trussing-System, Uniformfabrik Negele für die Unterstützung bei der Herstellung der Vorhänge, ITCS Deutsches Institut für Textil- und Faserforschung für die schwerentflammbare Ausrüstung der Vorhänge, C.A.R. weiß-blau für diverse Materialien und letztlich all unseren Frauen und Familien, die uns den Freiraum für die Messearbeit einräumten.

 

 

Hubert Fischer

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 09. Oktober 2009 um 16:55 Uhr
 


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